Friedrich-List-Schule
Berufsbildende Schulen Hildesheim
- Handelslehranstalt -
fls-Start Die Friedrich-List-Schule in der Weimarer Republik
10. September 2010
Die Friedrich-List-Schule in der Weimarer Republik Drucken
Haus Temme Wollenweberstrasse Schule und Warenkundemuseum bis 1945Diese Situation sollte sich nach dem Ersten Weltkrieg schnell ändern. Kaufmännische Berufe wurden zu „Modeberufen“, wie es in einem Verwaltungsbericht der Stadt Hildesheim heißt. Die Stadt reagierte frühzeitig mit dem Kauf eines Schulgebäudes, das Temmesche Haus, in der Wollenweberstraße 66, auf diese Entwicklung.

Haus Temme Wollenweberstrasse SchulgebäudeDas Haus Temme hatte ursprünglich einem Grafen aus Wrisbergholzen als Stadthaus Dienste geleistet. Als Hinterhaus hatte es seinen Standort im Bereich des heutigen Lehrerparkplatzes bei der Sporthalle. Jahre später wurde im Haus Temme ein so genanntes „Handelsmuseum“ für Warenkunde eingerichtet, das nach Aussagen eines späteren Schulleiters einzigartig in Niedersachsen war.






Blumsches Haus Wollenweberstrasse 66Im Februar 1919 erfolgte dann die längst überfällige räumliche Loslösung von der Handwerkerschule mit dem Umzug der Städtischen Handelsschule in die Wollenweberstraße 66. Das Schulgebäude direkt an der Straße war das so genannte „Haus Blum“. Das Blumsche Haus, benannt nach dem 1832 verstorbenen Erbauer, dem fürst-bischöflichen Landessteuereinnehmer Blum, wurde im 18. Jahrhundert als sachlicher, schlichter Barockbau konzipiert. Blumsches Haus 2. OG um 1900Eine Innenaufnahme des Blumschen Hauses zeigt im 2. Obergeschoss einen mit Wandteppichen stilvoll gestalteten Raum. Es ist doch allerdings sehr fraglich, ob diese Einrichtung auch den kaufmännischen Schülern und Schülerinnen unserer Schule ab 1919 zuteil wurde. Unser ehemaliger, zwischenzeitig verstorbener Kollege Spitzlei hat eine sehr schöne Farbzeichnung des Blumschen Hauses angefertigt.








Städtische Handelslehranstalten im Haus BlumObwohl in den beiden Schulgebäuden 11 Räume für den Unterricht zur Verfügung standen, mussten bereits 1920 bei dem benachbarten Arbeiter-Bildungsverein im Brühl weitere Klassenräume genutzt werden. 1929 stellte die katholische Mittelschule am Pfaffenstieg weitere Räume zur Verfügung. Kaufmännische Berufe waren in der Weimarer Republik – wie bereits gesagt – „Modeberufe“!

Der Name „Städtische Handelsschule“ wurde bereits 1923 in „Städtische Handelslehranstalten“ umgewandelt. Ein Jahr zuvor wurde die Schulleiter-Stelle erstmals von einem Diplom-Handelslehrer, Dr. Heinrich Münscher (bis 1934), wahrgenommen. Ein bedeutsames Ereignis für die Stadt Hildesheim betraf auch die Handelslehranstalten in der Wollenweberstraße. Reichspräsident Hindenburg vor der Handelslehranstalt 1927Das Staatsoberhaupt der Weimarer Republik, der Reichspräsident Paul von Hindenburg, konnte 1927 die festlich geschmückte Schule von dem Rücksitz des Autos aus betrachten. Diese Städtischen Handelslehranstalten umfassten im Prinzip bereits damals die heute immer noch geltenden Schulformen: die einjährige Städtische Höhere Handelsschule, die zweijährige Städtische Handelsschule und die dreijährige Kaufmännische Berufsschule. Ergänzende Einzel- und Fachkurse fanden am Abend statt. Der uns heute so vertraute 45 Minuten dauernde Stundentakt wurde bereits 1921 eingeführt. Absicht war es dabei, den Lehrlingen einerseits den als notwendig erachteten Unterrichtsstoff in so genannten 45-minütigen Kurzstunden zu vermitteln, um ihnen andererseits noch am selben Schulvormittag Gelegenheit zu geben, ihre Ausbildung in den Betrieben fortzusetzen.

Seit 1928 wurde die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft auch dadurch bereichert, dass die Gehilfenprüfungen der Kammer erstmals gemeinsam von Vertretern der Wirtschaft und von Lehrkräften der Schule durchgeführt wurden. Doch mit den sichtbar werdenden Folgen der Weltwirtschaftskrise sanken die Schülerzahlen im Pflichtschulbereich rapide. Die düsteren Vorboten der nationalsozialistischen Herrschaft erreichten damit auch Hildesheim und unsere Schule, insbesondere nachdem Hindenburg 1933 Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte.
 

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