Die Städtischen Handelslehranstalten waren als öffentliche Institution zwangsläufig in die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes involviert. Anlässlich der so genannten „Eingliederung Österreichs“ im März 1938 wird anhand von Klassenbuch-Eintragungen ersichtlich, dass aus eben diesem Anlass eine „nationale Feierstunde“ in der Schule abgehalten wurde. Der Schulleiter Fritz Klein, der die Stelle von 1934 bis 1957 inne hatte, war gehalten, eine Lehrkraft zum Verbindungsmann der Nazi-Partei zu ernennen. Auch die Hitlerjugend war an der Schule präsent. Von 41 Schülerinnen der Klasse HMU2 waren laut einer Eintragung im Klassenbuch 38 Mitglied des Bundes Deutscher Mädels. Die entsprechenden Uniformen wurden auch im Unterricht getragen und die Teilnahme an regionalen Treffen der Hitler-Jugend, z. B. auf dem Hildesheimer Marktplatz, wurde erwartet.
Diesem inneren Wandel der Schule im „Haus Blum“ folgte auch ein äußerlicher Wandel. Die in den dreißiger Jahren wieder steigenden Schülerzahlen veranlassten den Rat der Stadt Hildesheim einen Erweiterungsbau auf dem Schulgelände in der Wollenweberstraße zu bewilligen, der noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs seiner Bestimmung übergeben wurde. Keine sechs Jahre später, war dieses Schulgebäude nach den alliierten Bombenangriffen auf Hildesheim zum Frühlingsbeginn 1945 so stark zerstört, dass es für den Schulbetrieb bereits nicht mehr nutzbar war. Von dem Blumschen und dem Temmeschen Haus blieben nur noch Trümmer übrig. An diesem 22. März 1945 zeigte sich, wie unmittelbar die Geschichte der Friedrich-List-Schule, sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten, mit der Geschichte der Stadt Hildesheims verknüpft ist. Fotos des zerstörten Schulgebäudes aus der Nachkriegszeit lassen nur erahnen, wie furchtbar zerstörerisch diese von den Nationalsozialisten zu verantwortende Katastrophe für die Menschen der Stadt und damit auch für die Schulangehörigen gewesen sein muss.
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