| Die Friedrich-List-Schule im Deutschen Kaiserreich |
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Es war
wiederum den in der Kramergilde organisierten Kaufleuten zu verdanken,
die ihrerseits auch einen akzeptablen finanziellen Beitrag in Aussicht
gestellt hatten, dass ihr Antrag auf Errichtung einer öffentlichen
Kaufmannsschule vom städtischen Magistrat im Jahre 1880 genehmigt
wurde. Am 3. Januar 1881 wurde die Hildesheimer „Städtische
Handelsschule“ in den Räumen der Gewerblichen Zeichen-und
Fortbildungsschule, der so genannten „Handwerkerschule“, in
der Rathausstraße 9 schließlich formal gegründet. Der eigentliche
Schulgeburtstag, so denke ich, sollte aber doch eher der Tag sein, an
dem mit Schülern in der Städtischen Handelsschule der Unterricht
aufgenommen wurde. Erst zwei Tage später, an einem Mittwoch, wurde in
der Handwerkerschule erstmals öffentlicher kaufmännischer
Berufsschulunterricht, offenbar nur wenigen Schülern, erteilt. Der
Geburtstag unserer Schule ist daher Mittwoch, der 5. Januar 1881.Zwei Jahre nach der Schulgründung, weisen die ersten Schulstatistiken 28 Schüler im Sommerhalbjahr und 20 Schüler im Winterhalbjahr aus. Der Schulleiter der Handwerkerschule, der Architekt Lachner, war als so genannter „Dirigent“ gleichzeitig für die Erteilung des kaufmännischen Unterrichts verantwortlich. Die Handlungslehrlinge, die sich freiwillig bei einem Schulgeld von 10 Reichsmark pro Quartal ausbilden ließen, hatten am Morgen zwei Stunden Unterricht und am Abend die Möglichkeit an Sprachkursen teilzunehmen. Die Entstehung der Städtischen Handelsschule, die als erster organisatorischer Vorläufer der Friedrich-List-Schule gilt, war auch das Resultat neuer bildungspolitischer Überlegungen in der Zeit des Deutschen Kaiserreichs. Die Industrialisierung und der damit verbundene rasche Anstieg der Bevölkerungszahlen, Hildesheim verdoppelte seine Einwohnerschaft innerhalb von 40 Jahren, machte kaufmännisches Expertenwissen für die sich wandelnde Wirtschaft erforderlich. Hildesheim war aber dennoch keine Industriestadt im eigentlichen Sinne. Als Großbetrieb galt nur die Herdbaufabrik Senking. Vorherrschend waren Betriebe des Großhandels, des landwirtschaftlichem Warenhandels, z. B. die Zuckerraffinerie, aber auch Banken und Geldinstitute. Für die Entstehung unserer Schule waren allerdings die damaligen Hildesheimer Kramer, auch Krämer genannt, als Minderkaufleute von herausragender Bedeutung. Aber erst die von der Stadt verordnete Einführung der Schulpflicht für Lehrlinge im Jahre 1900, brachte die für die Existenz der Schule erforderlichen Schülerzahlen, die seitdem schnell anstiegen. Für den Unterrichtsalltag der Handelsschüler in der Handwerkerschule war vermutlich ein anderer, längst überfälliger Beschluss aus dem Jahre 1899 sehr bedeutsam. An der Handelsschule wurde erstmals eine Abteilung für Frauen und Mädchen eingerichtet, von dessen Nutzung im ersten Jahr bereits 64 Schülerinnen Gebrauch machten. Geschlechtsspezifische Differenzierungen werden jedoch weiterhin deutlich, wie man der folgenden Formulierung aus einem Schulbericht aus dem Jahre 1905 entnehmen kann: „Im allgemeinen fallen die Ferien mit denen der übrigen Schulen zusammen; auf Wunsch der Gewerbetreibenden wird der Unterricht für Lehrlinge und Gehilfen im Dezember bereits 14 Tage vor Weihnachten geschlossen. (…) Die Damenabteilung schloss jedoch den Unterricht vor Weihnachten erst am 23. Dezember.“ Derselbe Schulbericht aus dem Jahr 1905 differenziert aber nicht das Betragen und den Fleiß der Lehrlinge. Es heißt dort: „Das Verhalten der Schüler war gut; ernstere Verstöße gegen die Schulordnung fanden nicht statt. Der erziehliche Einfluss der Schule macht sich mehr und mehr bemerkbar. Die große Mehrheit der Lehrlinge zeichnete sich durch ernstes Streben und lobenswerten Fleiß aus.“ Die Schule konnte also schon vor mehr als 100 Jahren wichtige Erziehungsfunktionen wahrnehmen. Die allgemein bildenden Unterrichtsfächer Deutsch und Rechnen hatten laut Lehrplan von 1905 einen ebenso großen Stundenanteil wie die fachspezifischen Unterrichtsfächer Handelsgeographie, Buchführung und Handelskunde. In
der Schule wurden 1910 bereits mehr als 400 Schüler und Schülerinnen
von 16 Lehrkräften, darunter auch eine Lehrerin, unterrichtet. Die
meisten Lehrlinge der Pflichtschulabteilung wurden in Kolonial-und
Materialwarengeschäften bzw. in Fabrikkontoren ausgebildet. Schulleiter
war seit 1904 der Lehrer Karl Wenzel. Erst im Jahre 1913 wurde die
Stelle des Schulleiters in eine selbstständige Direktorenstelle
umgewandelt. Damit endete auch die formale Oberhoheit der Gewerblichen
Schule. Nach einem Erweiterungsbau 1912 standen der Städtischen
Handelsschule bereits 10 Räume in der Handwerkerschule zur Verfügung,
doch ein Jahr später mussten schon zusätzlich drei Klassenräume in der
Knaben-Mittelschule genutzt werden. Der heutige Schulstandort in der
Wollenweberstraße wurde erst fünf Jahre später für die
städtischen Gremien interessant.Erster Direktor der Städtischen Handelsschule wurde Hermann Bodenstab am 1. April 1914. Aber bereits kurze Zeit später mussten er und drei der fünf hauptamtlichen männlichen Lehrkräfte und wie auch zahlreiche Lehrlinge der Pflichtfortbildungsschule für den Deutschen Kaiser in den Weltkrieg ziehen. Mit Ausnahme von wenigen Kriegskursen kam bis 1918 der Unterricht weitgehend zum Erliegen.
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Die Friedrich-List-Schule im Deutschen Kaiserreich
Es war
wiederum den in der Kramergilde organisierten Kaufleuten zu verdanken,
die ihrerseits auch einen akzeptablen finanziellen Beitrag in Aussicht
gestellt hatten, dass ihr Antrag auf Errichtung einer öffentlichen
Kaufmannsschule vom städtischen Magistrat im Jahre 1880 genehmigt
wurde. Am 3. Januar 1881 wurde die Hildesheimer „Städtische
Handelsschule“ in den Räumen der Gewerblichen Zeichen-und
Fortbildungsschule, der so genannten „Handwerkerschule“, in
der Rathausstraße 9 schließlich formal gegründet. Der eigentliche
Schulgeburtstag, so denke ich, sollte aber doch eher der Tag sein, an
dem mit Schülern in der Städtischen Handelsschule der Unterricht
aufgenommen wurde. Erst zwei Tage später, an einem Mittwoch, wurde in
der Handwerkerschule erstmals öffentlicher kaufmännischer
Berufsschulunterricht, offenbar nur wenigen Schülern, erteilt. Der
Geburtstag unserer Schule ist daher Mittwoch, der 5. Januar 1881.
In
der Schule wurden 1910 bereits mehr als 400 Schüler und Schülerinnen
von 16 Lehrkräften, darunter auch eine Lehrerin, unterrichtet. Die
meisten Lehrlinge der Pflichtschulabteilung wurden in Kolonial-und
Materialwarengeschäften bzw. in Fabrikkontoren ausgebildet. Schulleiter
war seit 1904 der Lehrer Karl Wenzel. Erst im Jahre 1913 wurde die
Stelle des Schulleiters in eine selbstständige Direktorenstelle
umgewandelt. Damit endete auch die formale Oberhoheit der Gewerblichen
Schule. Nach einem Erweiterungsbau 1912 standen der Städtischen
Handelsschule bereits 10 Räume in der Handwerkerschule zur Verfügung,
doch ein Jahr später mussten schon zusätzlich drei Klassenräume in der
Knaben-Mittelschule genutzt werden. Der heutige Schulstandort in der
Wollenweberstraße wurde erst fünf Jahre später für die
städtischen Gremien interessant.